Probeartikel

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Wer`s glaubt?!

Eine Bibelarbeit zu den Emmausjüngern

Zielgruppe: Jugendliche, Konfirmanden, Freizeitteolnehmende, Mitarbeitende

Dauer: 1 - 1,5 Stunden

Gruppengröße: ab 6 Personen

Grundgedanke

Das allererste Ostern ist vorbei, Jesus ist auferstanden - und wer hat dieses weltbewegende Ereignis mitbekommen? Auf jeden Fall nicht die beiden Jünger, die sich zu Fuß auf den Weg von Jerusalem nach Emmaus gemacht haben! Obwohl, gehört hatten sie es schon, die Frauen hatten ihnen davon erzählt. Diese wollten es an dem leeren Grab angeblich von zwei Engeln gehört haben? wer`s glaubt!

Wer`s glaubt?! Ja, hier geht es um Glaube und Hoffnung. Es geht um den Glauben an Jesus, den auferstandenen Herrn. Die Jünger haben Jesus hautnah erlebt. Wir können ihn heute ebenfalls persönlich erleben, auch wenn unsere Begegnungen mit Jesus anders aussehen als bei den Menschen zu seiner Zeit.

Bibeltext: Lukas 24, 13-35

Gedanken und Infos zum Text

Die nachfolgenden Fragen kann jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter für sich selber beantworten. Sie können aber auch in einer Bibelarbeit mit den Jugendlichen verwendet werden.

Wucht der Gefühle

Mit großen Gefühlen beginnt die Geschichte im Lukasevangelium: Trauer, Enttäuschung, Wut, Resignation, Hilflosigkeit ? Die Jünger gehen nach Emmaus, sie wollen nur weg aus Jerusalem, weg aus der Stadt, in der sie so viel Hoffnung mit Jesus erlebt haben. Ihre Welt ist mit dem Tod von Jesus zusammengebrochen.

Frage: Woher kenne ich solche Gefühle? In welchen Situationen bin ich traurig, enttäuscht, wütend, resigniert, hilflos? Wie reagiere ich dann? Mache ich mich wie die Jünger einfach aus dem Staub und ziehe mich zurück?

Tunnelblick

Wo Emmaus genau liegt, lässt sich heute nicht mehr eindeutig sagen.
Möglicherweise wollten die Jünger einfach nur nach Hause gehen, oder sie hatten vor, sich wieder in ihrem alten Beruf als Fischer zu betätigen.
Auf dem Weg versuchen die Jünger mit ihrem Gespräch, das Erlebte zu verarbeiten.
Als Jesus zu ihnen stößt, erkennen sie ihn nicht, da sie viel zu sehr in ihre Trauer und die Erinnerungen vertieft sind.

Frage: Kenne ich das auch? Gibt es Möglichkeiten, dort wieder herauszukommen?

Seelsorge

Jesus handelt wie ein guter Seelsorger: Er lässt die Jünger reden. Mit seinen Fragen sorgt er dafür, dass die Jünger allen Schmerz und ihre Enttäuschung in Worte fassen können. Er unterbricht sie nicht, sondern lässt sie zu Ende sprechen.

Frage: Habe ich eine Person, der ich vertraue und der ich alles erzählen kann? Sage ich Jesus im Gebet alles, was mich beschäftigt?

Angesprochen sein

Im Anschluss daran erklärt er ihnen die Schriften aus dem Alten Testament, die auf Jesus hinweisen. Er macht das, weil er weiß, dass sie das am besten verstehen können. Schließlich sind sie mit diesen Schriften aufgewachsen! Jesus lässt sich für jeden Menschen die passende Methode einfallen, ihn anzusprechen.

Frage: Ist es mir schon mal passiert, dass Jesus mich auf die eine oder andere Weise angesprochen hat?

Bleibe bei uns

Nach und nach begreifen die Jünger, dass noch nicht alles vorbei sein kann, sondern dass auf irgendeine Art und Weise noch Hoffnung besteht. Als sie in Emmaus ankommen, ist es ihnen wichtig, dass Jesus (den sie immer noch nicht erkannt haben) bei ihnen bleibt. Sie bitten ihn nicht nur, sondern sie "nötigen ihn", so wichtig ist ihnen seine Gesellschaft. Und Jesus hört gerne darauf!

Frage: Gehe ich manchmal aktiv auf Jesus zu und bitte ihn um seine Gegenwart in meinem Leben?

Erkennen

Jesus geht mit den Jüngern und übernimmt beim Essen die Rolle des Hausherrn: Er nimmt das Brot, dankt, bricht es und gibt den Jüngern davon. Das erinnert an die Speisung der 5000 (Lukas 9,16) und an das Passamahl (Lukas 22,19).
In diesem Moment werden den Jüngern die Augen geöffnet und sie erkennen Jesus.

Frage: Gab es Momente in meinem Leben, in denen ich Jesus deutlich erkannt habe? Vielleicht nicht mit den Augen wie die Jünger, sondern mit dem Herzen?

Veränderung

Jesus verschwindet, sobald die Jünger ihn erkannt haben. Er lässt sich nicht festhalten, nicht festlegen. Seine Anwesenheit ist aber auch nicht mehr notwendig, da die Jünger ihre Hoffnung und ihren Glauben wieder gefunden haben.
Die Jünger brechen sofort nach Jerusalem auf, denn diese frohe Botschaft wollen sie weitergeben. Es gehört dazu, dass Menschen sich verändern, wenn sie erkannt haben, dass Jesus der auferstandene Herr ist! Auf dem Hinweg waren sie niedergeschlagen und müde, jetzt sind sie froh und voller Hoffnung.

Frage: Habe ich eine solche Veränderung schon erlebt? Bei mir oder bei anderen Menschen?

Mission

Sie können die gute Nachricht (= Evangelium) gar nicht für sich behalten. Als erstes erzählen sie es den anderen Jüngern, sie können es kaum abwarten, bis sie wieder in Jerusalem sind!

Frage: Wem habe ich schon mal von Jesus erzählt? Wem kann ich es noch erzählen?

In einem Satz könnte die Geschichte für uns heute so zusammengefasst werden: ?Jesus ist der auferstandene Herr, der uns persönlich begegnet, begleitet und unsere Augen öffnet!?

Methodische Bausteine

Von den folgenden Vorschlägen könnt ihr euch die Module herausgreifen, die zu eurer Gruppe passen.

Einstieg

Wie fühlst du dich, wenn ??

Material: zwei Blätter mit Gefühlen (1 x froh, hoffnungsvoll, glücklich, ? und 1x niedergeschlagen, traurig, hoffnungslos, ?), Fragen

Die beiden Zettel werden an die entgegengesetzten Seiten des Raumes gehängt und ergeben so eine Skala auf einer gedachten Linie durch den ganzen Raum. Alle Jugendlichen stehen in der Mitte. Nach jeder Frage, die die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter stellt, sollen sie sich dorthin stellen, wo sie sich auf der Skala einordnen würden.

Mögliche Fragen: Wie fühlst du dich, wenn ...

... der VfB ein Fußballspiel verliert?
... du in der Schule eine fünf geschrieben hast?
... du frisch verliebt bist?
... du Streit mit deinen Eltern hast?
... du vor allen anderen in der Klasse gelobt wirst?
... du in die Stadt zum Shoppen gehst?
... du im Sport mit deiner Mannschaft gewonnen hast?
... dein bester Freund/deine beste Freundin deine Geheimnisse verraten hat?
... du eine Woche lang Hausarrest bekommen hast?
... jemand gestorben ist, den du gut kanntest?

Biblische Geschichte

Rollenspiel-Variante

Material: Bibeln oder Textkopien

Lest gemeinsam die Geschichte aus Lukas 24,13-35 in verteilten Rollen (Jesus, Kleopas/Emmausjünger, Jünger in Jerusalem, Erzähler). Versucht anschließend, den Text als Theaterstück zu spielen. Das macht besonders viel Spaß und die Emotionen werden viel deutlicher. Es darf ruhig übertrieben werden!

Was-wäre-wenn-Variante

Material: Bibeln oder Textkopien

Eine spannende Variante: Überlegt zusammen, an welcher Stelle die Geschichte eine andere Wendung nehmen könnte. Beispiel: "In Emmaus angekommen sagt Jesus, dass er nicht bei den Jüngern bleiben, sondern weitergehen möchte. Die Jünger fragen ihn einmal, ob er nicht doch lieber in Emmaus bleiben möchte. Jesus lehnt dankend ab, daher zucken sie mit den Schultern und lassen ihn gehen." ? Was verändert das für die Jünger? Wie könnte Jesus reagieren?
An dieser Stelle können auch die Fragen (siehe Gedanken und Infos zum Text) aufgegriffen werden. Eine Möglichkeit ist, dass alle Jugendlichen die Fragen für sich beantworten (evtl. Fragen als Kopie mitbringen). Danach tauschen sich immer zwei miteinander aus und vergleichen, was sie geantwortet haben. Oder ihr sprecht gemeinsam in der (Klein-)Gruppe darüber.   

Meine Biographie-Variante

Material: Schnur, kleine Zettel, Stifte

Alle Jugendlichen bekommen eine Schnur, mit der sie ihren bisherigen Lebensweg legen. Für jedes Jahr gibt es einen Knoten in die Schnur. Auf die kleinen Zettel schreiben die Jugendlichen, wer in den einzelnen Lebensabschnitten besonders wichtig für sie war. Nach dieser Phase gibt es die Möglichkeit des Austausches.

Impuls

Wie frustrierend! Die ganze Zeit war ihnen klar, wer sie begleitet hatte. Jesus war die feste Konstante in ihrem Leben. Er sollte es eigentlich sogar noch über den Tod hinaus sein! Jesus, der Messias, Gottes Sohn, Retter der Welt. Er hatte sie nicht nur begleitet, sondern hatte auch die Richtung angegeben. Das Ziel war, zu Gott zu kommen. Aber jetzt war es vorbei, unwiderruflich, denn er war gekreuzigt worden. Völlige Orientierungslosigkeit.
Wer kennt das? Nicht mehr wissen, wo es lang geht. Absolut verlassen sein, am besten noch irgendwo in der Wildnis. Stell dir vor, du bist mit dem Auto und Navigationsgerät unterwegs. Auf einmal fällt es völlig unerwartet aus. Keine Stimme mehr die sagt: "In 100 Metern rechts abbiegen ?" Wo bist du eigentlich?
Und dann kommt jemand vorbei, der dich anspricht, einfach so. Fragt, wo du eigentlich hin willst. Der dir den Weg erklärt, denn er kennt das Ziel. Das Ziel, das eigentlich sonst keiner kennt!
So muss das für die Jünger gewesen sein. Sie wussten nicht, dass Jesus noch auf sie achtet, dafür sorgt, dass sie den Weg finden. Aber er hat es getan, war da, als sie ihn brauchten. Er hat sie begleitet, besonders als es schwierig wurde.
Das macht er heute noch, bei jeder und bei jedem, der seine Begleitung annimmt! Er spricht jeden Menschen an und führt uns schließlich zu dem einzigen Ziel, das auch nach dem Tod noch Bestand hat: zu Gott. Wenn das kein Grund zur Freude ist!

Schluss-Variante: Menschliches Memory

Material: für jede Teilnehmerin und jeden Teilnehmer ein Kärtchen mit je einem Gefühl (jedes Gefühl kommt zweimal vor)

Eine Teilnehmerin oder ein Teilnehmer verlässt den Raum. Die Anderen bekommen je eine verdeckte Karte, auf der ein Gefühl steht, z. B. Angst, Freude, Verliebtsein usw. Jede und jeder stellt sein Gefühl als Statue dar. Die Person, die den Raum verlassen hat, kommt wieder herein und versucht, wie bei einem Memory die zueinander passenden Gefühle zu finden.


Jennifer Hölz, Jugendreferentin, Reutlingen

Aus: Der Steigbügel 1/2010 (335)

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