Probeartikel

< Nutzen, was da ist!

Alles kostet einen Groschen

Zielgruppe: Jugendliche und Mitarbeitende

Dauer: 5 Minuten

Gruppengröße: egal

Ein Mann, der im Laufe seines Lebens Reichtümer erworben hatte, sagte stets: "Geld regiert die Welt." Als er auf dem letzten Lager lag, dachte er: sicherlich regiert Geld auch die andere Welt. Und so befahl er seinen Kindern, ihm einen Beutel voll Gold in den Sarg zu legen. Dann starb er zufrieden.

Am Abend seiner Ankunft in der anderen Welt war er sehr hungrig und durstig. Aber da entdeckte er auf einmal einen Tisch voller Speisen und Getränke. Wie gut, dass ich genügend Geld mitgenommen habe, dachte der Mann, jetzt kann ich mich satt essen und trinken. Er ging an den Tisch, deutete auf ein belegtes Brot und fragte: "Was soll ich dafür geben?" - "Einen Groschen!" antwortete der Mann hinter dem Tisch. "Und das da?" Damit deutete der Reiche auf ein Glas Wein. "Auch einen Groschen. Alles kostet einen Groschen", sagte der Mann lächelnd.
Der reiche Mann suchte sich die schönsten Dinge aus und legte ein Goldstück auf den Tisch. Aber der Verkäufer gab ihm das Geld zurück und sagte: "Nein, das ist kein Groschen!" und ließ ihn von zwei bärenstarken Kerlen hinausführen.
Der reiche Mann überlegte einen Augenblick, dann eilte er zu seinen Söhnen und befahl ihnen im Traum: "Nehmt das Gold ruhig wieder an euch. Damit kann man hier oben nichts machen. Legt mir stattdessen so viele Groschen ins Grab, wie ihr habhaft werden könnt." Die Söhne gehorchten, und der reiche Mann lief rasch zum Tisch zurück. "Schnell geben Sie mir zu essen und zu trinken, sonst komme ich noch um!" Und mit diesen Worten warf er eine Handvoll Groschen auf den Tisch. ? Der Verkäufer schüttelte sein Haupt und sagte: "Sie täuschen sich. Nicht die Groschen, die sie besitzen nehmen wir als Bezahlung an, sondern die Groschen, die sie verschenkt haben!"

Der Reiche aber hatte nicht einmal in seinem Leben ein Almosen verschenkt. Der Verkäufer winkte den Kellnern. Sie drückten ihm die wertlosen Groschen in die Hand und führten ihn hinaus.

Leo N. Tolstoi

In: Der Steigbügel 1/2010 (335)

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