Probeartikel

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Tour der Leidenschaft

Ein Geländespiel für Pedaleure und ihre Drahtesel

Zielgruppe: Jugendgruppen

Dauer: Gruppenstunde, Wochenende, Radfreizeiten

Gruppengröße: ab 2

Kleine Männer in bunten Trikots, die sich auf Hightech-Rennmaschinen und Reifen von der Breite eines Daumennagels Gebirgspässe hinaufquälen, nur um gleich danach in einem Affenzahn auf der anderen Seite des Berges auf besagten dünnen Reifen wieder hinunterzurasen. Jubelnde Fans, die stunden- und tagelang warten, auf diesen einen besonderen Moment, wenn das Fahrerfeld an ihnen vorbeifliegt. Dopingfahnder, die zu dieser Zeit Sonderschicht an Sonderschicht einlegen. Das alles gehört dazu, zum bekanntesten Radrennen der Welt, der Tour de France. So mancher Fernsehsportler, also die Gattung Mensch, die Sport am liebsten vom heimischen Sofa aus verfolgt, hat die Schnauze voll von den betrügerischen Machenschaften der gedopten Radsportler und ihrer Hintermänner.

Idee

Die ganze Gruppe ist mit den Fahrrädern unterwegs (und bildet das Fahrerfeld eines großen Radrennens). Unterwegs werden immer wieder verschiedene Aufgaben gestellt, bei denen die einzelnen Mitglieder der Gruppe ihr Können und ihre Fähigkeiten im Kampf um das Siegertrikot unter Beweis stellen können.

Wichtige Vorüberlegungen

Strecke

Nicht jede Gruppe ist von ihrer Zusammensetzung und ihren Fähigkeiten her gleich, deshalb empfiehlt es sich, die Strecke einmal vorher abzufahren und festzulegen. Die Strecke sollte so gewählt sein, dass jedes Gruppenmitglied gut mitkommt und dennoch über Herausforderungen verfügen. Abwechslungsreich sollte die Strecke auf jeden Fall sein. Steigungen, Abfahrten, gerade Teilstücke, ... je vielfältiger die Strecke, desto mehr Spaß und Möglichkeiten um Aufgaben zu stellen.

Sicherheit

Auch wenn die deutsche Straßenverkehrsordnung das nicht vorschreibt, müssen alle Jugendlichen und Mitarbeitenden mit Helm erscheinen und diesen auch nicht am Lenker baumeln lassen, sondern auf dem Kopf tragen. Helme können Leben retten, auch wenn beim Versuch mit der Pudelmütze, dem Helm und dem Hochhaus der Helm den Kürzeren gezogen hat.

Bitte fahrt auf Radwegen oder Feldwegen. Wenn es irgendwie geht, nicht auf Straßen, die für den motorisierten Verkehr freigegeben sind. Das Gemeinschaftsgefühl dankt es euch.

Fahrräder

Erfahrungsgemäß sind die Fahrräder bei Jugendlichen von ihrem technischen Zustand sehr unterschiedlich. Wer also vor der Tour die Räder kurz in Augenschein nimmt, spart sich später Stress. Ob ein BMX, oder ein Bonanza-Fahrrad geeignet sind, entscheidet ihr nach eurer Streckenauswahl. Und wer eine Luftpumpe mitnimmt hat nicht viel Gepäck, aber viel Hilfe, sollte mal die Luft raus sein (aus dem Reifen).

Vorbereitungen

Die erste Vorbereitung haben alle, die diesen Artikel bis zu Ende lesen, dann schon gemacht. Nun geht es daran, eine passende Strecke zu suchen. Die Länge ist davon abhängig, wie lange die ganze Radtour gehen soll. Sonntags mal eine kleine Radtour als Streckenfindungstour zu machen, kann hier wahre Wunder wirken.

Steht die Strecke fest, geht es darum, die einzelnen Spiele bzw. Aktionen festzulegen und das eventuell benötigte Material zusammenzusammeln. Es empfiehlt sich, eine Karte der Strecke zu kopieren und in diese Kopie die einzelnen Stationen einzutragen, das macht die ganze Geschichte übersichtlicher. Der Führende (und am Schluss der Sieger) trägt bei der Rundfahrt ein farblich abgesetztes Trikot. Von einem einfachen T-Shirt bis zum bedruckten Radtrikot (in gelb, rosa, gold, grün oder bunt) ist der Kreativität hier keine Grenze gesetzt.

Um die Reihenfolge festzuhalten bietet es sich an vor dem Start einen Zettel vorzubereiten, auf dem alle Namen der Fahrerinnen und Fahrer stehen und hinter die man dann nur mit einer Strichliste die erfahrenen Punkte einträgt.

Weiter unten gibt es Impulsgedanken zu einer Andacht, die auf oder im Anschluss an die Radtour Platz finden kann. Und dann gilt es eigentlich nur noch, den Helm aufzusetzen, das Rad aus der Garage zu holen und loszuradeln, zum Treffpunkt.

Spielaufgaben

Die Spielaufgaben verstehen sich als Ideen. Da jede Strecke eigene Besonderheiten hat, genau wie jede Gruppe, kann es Sinn machen, das eine oder andere wegzulassen, oder auszutauschen, auch die Abfolge der Spiele kann verändert werden. Allen Kreativen ist ein Ergänzen dieser Liste ebenfalls freigestellt.

Die Spiele sind so konzipiert, dass die ganze Gruppe gemeinsam an den Startpunkt einer bestimmten Aktion kommt. Das Fahrerfeld eben. Die Spielaktion wird dann aber jeder gegen jeden durchgeführt. Es werden nach der Aktion Punkte vergeben. Die oder der Letzte erhält einen Punkt, der Vorletzte zwei und so weiter. Aus dieser Punktewertung ergibt sich am Ende des Spiels der Sieger der Rundfahrt. Nach dem jeweiligen Spiel darf die oder der Erste der Gesamtwertung das Trikot des Führenden überziehen. Inwiefern hier eine Zeremonie um die Trikotübergabe gemacht wird, entscheidet das Team der Mitarbeitenden.

Die Spiele und Aktionen im Einzelnen

Diese Liste ist alphabetisch sortiert, und muss an die individuelle Tour angepasst werden.

Bergetappe

Material: Keines

Am Fuß eines Anstiegs (der Anstieg darf und sollte sogar kernig sein) wird Halt gemacht. Die Fahrt wird freigegeben, wer als erstes oben ankommt, gewinnt die Bergetappe. Ist die Spitze des Anstiegs von unten nicht einzusehen und es stehen mehr als eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter zur Verfügung wird vor dem Start ein Mitarbeiter nach oben geschickt, der die Reihenfolge des Zieleinlaufs festhält. Steht nur eine Person zur Verfügung empfiehlt es sich, einen einsehbaren Anstieg zu wählen. Die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter gibt das Startsignal von oben. Das hat außerdem den Vorteil, dass am Ende dieser Aufgabe die Gesamtgruppe nicht noch auf die Mitarbeiterin oder den Mitarbeiter warten muss.

Dopingkontrolle

Material: Kinderpuzzle (ca. 50 Teile), Stoppuhr

Eine richtige Dopingkontrolle ist für alle, die nicht zufällig als Chemielaborant arbeiten wohl nicht durchführbar und selbst bei denen ist davon abzuraten, die Jugendlichen in Becherchen pinkeln zu lassen. Aber weil Dopingermittler ja auch immer ein Puzzle zu lösen haben, ist genau das hier die Aufgabe. Dieses muss nun jede und jeder nacheinander so schnell wie möglich zusammenpuzzeln. Hier kann mit einem zweiten Puzzle (gleich viele Teile) Zeit gespart werden.

Hungerast

Material: Müsliriegel in der Anzahl der Jugendlichen, Stoppuhr

Von jedem Radrennfahrer gefürchtet. Der Hungerast. Auf einmal fehlt die Kraft, weiter zu treten. Hier bleibt viel Zeit auf der Strecke. Um diesen Hungerast zu vermeiden gibt es Müsliriegel für alle. Natürlich kann so ein Hungerast schnell kommen, es geht deshalb darum den Müsliriegel so schnell wie möglich zu verzehren. Erst wenn der letzte Rest Müsliriegel geschluckt ist (und das auch bleibt) ist die Aufgabe vorbei. Der Einfachheit halber lässt man die Gruppenmitglieder nacheinander antreten und stoppt jeweils die Zeit.

Pressekonferenz

Material: Interviewkarten mit Satzanfängen

Hier kommt es auf die Spontaneität und Kreativität der Jugendlichen an. Folgende Situation: Eine große internationale Zeitung (ruhig kreativ werden beim Namen) möchte die Sportlerinnen und Sportler des größten Radrennens in diesem Jahr interviewen. Jemand aus dem Team mimt einen Journalisten und gibt Satzanfänge vor, die von den Jugendlichen spontan und schnell ergänzt werden. Es geht darum, möglichst schnell zu antworten. Noch eine Schwierigkeit: Die Sätze müssen grammatikalisch halbwegs richtig und sinnvoll sein. Für jeden vervollständigten Satz gibt es drei Punkte. Alle haben drei Möglichkeiten, den Satz zu vervollständigen. Wenn die Karten mehrfach benutzt werden, ist darauf zu achten, dass sie nicht direkt hintereinander verwendet werden. Es macht Sinn, Satzanfänge zu nehmen, die auf die Gruppe und die Situation passen.

Drei Beispiele, die als Anregung dienen:

  • Bei der letzten Etappe ...
  • Kurz vor dem Ziel
  • Mein Fahrrad und ich

 

 

Sprint

Material: ggf. Markierungsspray

Das Etappenziel liegt unmittelbar vor der Gruppe. Eine letzte Gerade (dass die Strecke geradeaus führt ist wichtig, um das Verletzungsrisiko zu minimieren), dann ist man im Ziel. Der Sprint wird freigegeben. Wer als Erste oder Erster ankommt gewinnt. Bei diesem Spiel ist die Verletzungsgefahr groß. Nicht für jede Gruppe ist diese Aktion geeignet. Bitte weist vorher darauf hin, dass sich gegenseitig aus dem Weg schieben nicht erlaubt ist und brecht sofort ab, wenn es doch (absichtlich) passiert.

Wasserträger

Material: Fahradtrinkflaschen, Wasser, zwei Eimer, Meterstab, ggf. Markierungsspray Stoppuhr

Bei jeder großen Rundfahrt gibt es die so genannten Wasserträger. Deren Job ist es, beim Teamfahrzeug, das hinter dem Feld fährt, Trinkflaschen zu holen und nach vorn zum Teamcaptain zu fahren. In unserem Fall sind Teamwagen und Teamcaptain von zwei Eimern dargestellt, zwischen denen der Wasserträger mittels einer Fahrradtrinkflasche Wasser transportieren muss. Die Eimer sollten ca. 20 - 50 m auseinander stehen. Die Trinkflasche darf aufgeschraubt werden, um das Wasser einzufüllen. Um das Wasser in den ?Captain-Eimer? zu leeren, muss aber mit dem Trinkventil gespritzt werden. Gewertet wird die Wasserhöhe im "Captain-Eimer" nach zwei Minuten Spielzeit. Um das ganze Spiel abzukürzen, können auch zwei dieser Spielstationen aufgebaut werden, an denen dann parallel gespielt wird.

Zeitfahren

Material: Stoppuhr, ggf. Markierspray

Alle Jugendlichen fahren nacheinander ein abgestecktes Teilstück der Strecke ab. Die dafür benötigte Zeit wird gestoppt. Gewonnen hat, wer die Strecke in der kürzesten Zeit zurückgelegt hat. Am einfachsten ist es, für dieses Spiel einen Rundkurs abzustecken (eventuelle Streckenmarkierungen sollten unbedingt vor der Radtour angebracht werden), da dann die Schwierigkeit, Start und Ziel durch irgendeine Form der Kommunikation zu verbinden, ausfallen kann. Abkürzen sollte auf diesem Rundkurs nicht möglich sein.

Radtour und wie weiter?

Dieses Spiel eignet sich für eine normale Gruppenstunde, aber genauso für Radfreizeiten, oder Wochenenden, die man mit der eigenen Gruppe verbringt. Man kann ja auch anstatt eines Rundkurses beispielsweise zu einer Grillhütte im Wald fahren und dort den Gruppenabend mit einem Grillfest und gemütlichem Beisammensein ausklingen lassen. Wer will kann sich auch an das "Nach-Etappen-Programm" der Profis halten und eine Gruppenmassage-Übung machen.Wer will kann auch schon vorbereitet am Zielpunkt (Gruppenraum) Vitamin-Drinks und Energy-Riegel kredenzen.

Es bietet sich an, entweder in die Radtour oder das Nachprogramm eine Andacht zu integrieren, die einige der gerade eben erst "erfahrenen" Erlebnisse aufnimmt.

Impulse für eine Andacht

  • Im gemeinsamen Unterwegssein liegt eine besondere Bedeutung, schließlich zieht Jesus drei Jahre mit seinen Jüngern von Ort zu Ort.
  • Kommt es in unserem Leben immer nur auf Leistung an? Zählt Leistung und Erfolg gar mehr als der Mensch?
  • Die Dopinggeschichten zeigen, dass Menschen Raubbau an ihrem Körper und damit auch an Gottes guter Schöpfung betreiben.
  • Wo erreicht das Rennen Deines Lebens sein Ziel? Jesus Christus spricht: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater, denn durch mich (Joh 14,6)
  • Ist Dein Leben manchmal nicht auch wie ein Radrennen? Viele Auf und Abs - Anstrengende Bergetappen und immer das Gefühl, doch nicht der Schnellste zu sein?
  • Gott will der Sieger im (Rad-)Rennen Deines Lebens sein.

Timm Ruckaberle, Referendar, Herrenberg

Aus: Der Steigbügel 2/2009 (332)

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