Probeartikel

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Die Schokoladen-Story

Eine spielerische Reise durch die Geschichte der Schokolade

Zielgruppe:

Dauer: ca. 60-90 Minuten

Gruppengröße: mind. 2 Teams, auch für größere Gruppen geeignet

Die Geschichte der Schokolade ist spannend. In Europa wurde sie zuerst verabscheut und später als Luxusgetränk geliebt. Die Schokoladentafel, so wie wir sie heute kennen, entstand erst im 19. Jahrhundert.

Dieser Vorschlag gibt Einblicke in die Geschichte der Schokolade und mixt sie mit Spielen und leckeren Gaumengenüssen.

 

Spieldauer und Gruppengröße

Die Spieldauer hängt stark von der Gruppengröße und davon ab, ob die Spiele einmal oder mehrfach gespielt werden. Bei größeren Gruppen (ab 20 Personen) sollte für die Spiele mehr Zeit eingerechnet werden. Dieser Entwurf lässt sich auch in kleineren Gruppen gut umsetzen. Um der Verständlichkeit willen beschreiben wir alle folgenden Aktionen immer so, als würde mit zwei Teams gespielt. Die Anzahl der Teams lässt sich aber ohne Weiteres erhöhen!

Spieldauer: ca. 60-90 Minuten

Gruppeneinteilung

Die Mitarbeitenden legen vor dem Spiel fest, mit wie vielen Gruppen sie spielen möchten - in diesem Falle wird mit zwei Teams gespielt (siehe "Spieldauer und Gruppengröße"). Auf einem Teller liegen Schokostückchen in zwei Sorten. Die Jugendlichen nehmen sich beim Eintreten in den Gruppenraum ein Stückchen und ordnen sich den anderen mit der gleichen Schokoladensorte zu (z. B.: Team Vollmilch, Team Zartbitter). Hygienischer ist es sicherlich, verpackte Schokostückchen zu verwenden. Wer sich aber für die sinnlichere Variante entscheidet, verwendet an dieser Stelle Schokolade pur.

Material: Teller, pro Gruppe eine Sorte Schokoladenstückchen

Punkte

Der besondere Reiz bei der Punktezählung besteht darin, dass am Ende jedes Spiels per Würfel ausgelotet wird, wie viele Schokostückchen das Gewinnerteam bekommt. Würfelt das Team eine eins, bekommt es ein Schokostückchen, würfelt es eine zwei, bekommt es zwei, ...

Material: Jede Menge verpackte Schokoladenstückchen. Weitere Materialangaben stehen neben den Spielen und Aktionen. 1 Würfel

Spiele

Das Getränk der Maya und Azteken

Die Geschichte des Kakao reicht weit zurück. Bereits 1000 v. Chr. wurde in Mittelamerika eine Art Kakaogetränk getrunken. Die Maya waren jedoch die ersten, die um 500 n. Chr. gezielt Kakao anbauten. Mit Blüten und Gewürzen verfeinerten sie ihren Geschmack. Allerdings hatte diese Heiße Schokolade nur wenig mit der zu tun, die wir heute kennen und lieben. Sie war mehr Brei als Getränk und geschmacklich herb und vor allem ungesüßt. Der heutige Name "Schokolade" geht auf das aztekische Wort "xocoatl" zurück, was soviel bedeutet wie sauer und herb. Es verwundert nicht, dass Kolumbus, als er im Jahr 1502 in Mittelamerika landete, dem Kakao nur wenig abgewinnen konnte.

Spiel

Nicht nur die Ägypter, sondern auch die Maya und Azteken sind für ihre Pyramiden bekannt. Die Teams treten gegeneinander an, indem sie versuchen, die höchste Pyramide aus den Schokostückchen zu bauen.

Material: Pro Team 100 Schokostückchen

Zeit: 90 Sekunden

Der Schokoladenstreit

Mexiko. Nonnen kochen aus gerösteten Kakaobohnen, Vanilleschoten, Rohrzucker und Wasser die erste heiße Schokolade der Weltgeschichte. Sie waren so begeistert vom neuen Geschmack, dass sie den gesüßten Kakao auch während der langen Messfeiern tranken. Für den Bischof war das ein Skandal. Die Nonnen argumentierten geschickt: der Kakao behebe "die Schwäche des Magens", deshalb könnten sie nun länger und besser beten. Schnell machte das Rezept der Nonnen in den Klöstern die Runde. Bald darauf entbrannte ein heftiger Streit darüber, ob es erlaubt sei, Kakao auch während der Fastenzeit zu trinken: der Schokoladenstreit in vollem Gange. Es soll sogar zu Morden gekommen sein.

Spiel

Dieses Spiel ist auch unter der Bezeichnung "Ja- und Nein-Stuhl" bekannt. Nun ist Wissen gefragt! Die Teams stellen sich in zwei Reihen hinter der Startlinie auf. Im Abstand von 7-10 Metern steht der Ja-Stuhl und neben ihm der Nein-Stuhl. Wichtig: Hinter jedem Stuhl sollte aus Sicherheitsgründen ein Mitarbeiterin oder eine Mitarbeiter stehen um zu verhindern, dass der Stuhl bei zu viel Power der Jugendlichen umkippt. Die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter stellt die Frage, die beiden ersten der Teams laufen los und antworten, indem sie sich auf den Stuhl mit der vermeintlich richtigen Antwort setzen. Das Team, das zuerst auf dem richtigen Stuhl sitzt, erhält den Punkt. Am Ende des Spiels gewinnt die Gruppe, die die meisten Punkte hat und bekommt die gewürfelte Punktezahl in Schokostückchen ausbezahlt.

Material: Ja-Stuhl und Nein-Stuhl Fragen, die mit Ja oder Nein beantwortet werden können.

Fragen
  • Gibt es eine Schokoladensorte mit dem Namen "Hüttenträume à la Russische Schokolade"? (Ja, bei Milka)
  • Der Begriff, auf den unser heutiges Wort Schokolade zurückgeht, bedeutet so viel wie: süß, wohlschmeckend, verführerisch. (Nein; Richtig: sauer oder herb)
  • Schokolade hilft bei Husten? (Ja, ein Inhaltstoff der Schokolade dämpft den Husten offenbar effektiver als traditionelle Medikamente)
  • Kinder, deren Mütter während der Schwangerschaft viel Schokolade gegessen haben, sind später "aufgeweckter" als Kinder, deren Mütter während der Schwangerschaft auf Schokolade verzichtet haben. (Ja, das ist tatsächlich so. Quelle: Stiftung Warentest, test, Nr. 2, Febr. 2005, S. 21)
  • Pro Kopf essen die Deutschen übers Jahr gerechnet die meiste Schokolade in Europa. (Nein, es sind die Schweizer, gefolgt von den Norwegern und Belgiern, erst dann kommen die Deutschen) ? Noch vor 300 Jahren konnten sich nur Adlige und reiche Kaufleute Schokolade leisten. (Ja, Schokolade galt als Luxusgetränk)
  • Schokolade, wie wir sie heute kennen - in Tafelform - gibt es erst seit gut 50 Jahren. (Nein, die ersten Tafeln wurden bereits in Guatemala gepresst. Im 19. Jahrhundert wurden Maschinen erfunden, die Schokolade so herstellen konnten, wie wir sie heute kennen)
  • Dunkle Schokolade mit mindestens 35 Prozent echtem Kakaoanteil stärkt das Herz. (Ja, im Kakao steckt ein wirksames Antioxidationsmittel)
  • Sogar Päpste beschäftigten sich offiziell mit Schokolade. (Ja, z. B. Papst Pius V., aber auch einige seiner Nachfolger)
  • Kolumbus war der erste europäische Freund der Schokolade! (Nein, er fand sie abscheulich)
  • Carl von Linné nannte den Kakaobaum lateinisch: "Theobroma cacao". (Ja, das heißt auf deutsch: Speise der Götter)
  • Nicht verkaufte Schoko-Osterhasen werden wieder eingeschmolzen und begegnen uns wieder als Schokonikoläuse. (Nein, das stimmt nicht)
  • Kakaobohnen gedeihen zwischen dem 45. nördlichen und dem 45. südlichen Breitengrad. (Nein, es sind die 23. Breitengrade, oder hast du in Kroatien schon Mal Kakaopflanzen gesehen?)
  • Kakaofrüchte können sowohl im Frühjahr wie im Herbst geerntet werden. (Ja, Kakaobäume tragen ganzjährig an ihren Ästen und Stämmen Blüten, Knospen und Früchte)

 

 

Der Papst und die Schokolade

Durch die Eroberer mitgebracht, beginnt der Siegeszug der Schokolade in Europa verhalten.

In Italien galt der Trunk im 16. Jahrhundert sogar als "Getränk für die Schweine" (Dziewas, Schokolade für die Seele, Witten 2006, Seite 11). Wahrscheinlich lag es daran, dass der Kakao zu dieser Zeit nur selten gesüßt wurde. Die Schokolade hatte es schwer. Das zeigt auch eine Anekdote, die von einer Begebenheit im Vatikan erzählt: Aus dem früheren Inquisitor und obersten Tugendwächter ist Papst Pius V. geworden. Im Jahr 1569 hatte der Papst seine Kardinäle um sich versammelt, um mit ihnen seine Pläne zum Kreuzzug gegen die Türken zu besprechen. Die Versammlung wird unterbrochen. Ein Gesandter der Bischöfe von Mexiko betritt den Saal. Es ist Fra Girolamo di San Vincenzo. Er bittet den Papst, den in Mexiko entbrannten Schokoladenstreit persönlich zu schlichten. Hintergrund des Streites ist die Frage, ob es erlaubt sei, Kakao auch während der Fastenzeit zu trinken. Der Papst reagiert mit Unverständnis, weiß er doch nicht einmal, wie Schokolade schmeckt. Fra Girolamo di San Vincenzo ist gut vorbereitet. Er reicht Pius eine Schale dampfenden Kakao. Papst Pius V. kostet und spuckt den bitteren Trunk sofort wieder aus. Überliefert sind seine Worte: "Potus iste non frangit jejunum!" - "Dieses Zeug bricht kein Fastengebot!".

Es wurde nie geklärt, ob es sich um eine List der mexikanischen Bischöfe gehandelt hat, die dem Papst ganz bewusst ungesüßten Kakao servieren ließen.
Pius Entscheidung wird von seinen fünf Nachfolgern bestätigt, allerdings wohl eher aus macht- und wirtschaftspolitischen Erwägungen. Der Siegeszug des Kakao lässt sich nun nicht mehr aufhalten.

Spiel

Von Fra Girolamo di San Vincenzos Formulierungsgabe hing es ab, wie der Papst reagierte. Nun hängt es von eurer Formulierungsgabe ab, wie viele Punkte euer Team bekommt. Nach den Regeln von TABU sollen Begriffe beschrieben und von der eigenen Gruppe erraten werden. Das bessere Team bekommt die erwürfelten Punkte.

Begriffe

Praline: Schokolade, braun, süß, Alkohol, Luxus

Schokostreusel: Kuchen, klein, schmelzen, klebrige Finger, Bäcker

Alpenmilch: Schokolade, Schweiz, Österreich, Kuh, Berg

Kaba: Milch, Kinder, früher, Pulver, süß

Schokoladenkuchen: Backofen, duftet, Sahne, Geburtstag, Bäcker

Schokoladeneis: kalt, Sommer, Kugeln, Waffel, Vanille

Tafel: Schule, Kreide, Lehrer, Schokolade, Stück

Weiße Schokolade: hell, Milch, Vanille, braun, Crisp

Lila Kuh: Milka, Alpen, Sorte, Schmunzelhase, Farbe

Material: Kleine Karten mit den Begriffen. Der zu erratende Begriff steht oben und ist unterstrichen, die Begriffe, die in der Erklärung nicht verwendet werden dürfen, stehen darunter.

Die Schokolade genießt Kultstatus

Der Kakao ist zum Mode- und Luxusgetränk geworden. Die Jesuiten erkannten schnell, dass sich mit dem Handel der Kakaobohnen gutes Geld verdienen ließ. Dank ihrer vielen Verbindungen ist das heiße Kakaogetränk bald nicht mehr an den Fürsten- und Königshöfen in Europa wegzudenken. Die Schokolade wird zum Sinnbild für das gepflegte Nichtstun.

Spiel

Bei diesem Spiel spielen die Teams mit- und dennoch gegeneinander. Dieses Spiel versucht einen Hauch von gepflegtem Nichtstun mit niveauvoller Konversation nachzuempfinden. Ursprung dieser Idee ist das alte Spiel: "Ich packe meinen Koffer". Die Jugendlichen sitzen im Kreis. Es ist darauf zu achten, dass immer eine Person der einen Gruppe neben einer Person der anderen Gruppe sitzt (Vollmilch, Zartbitter, Vollmilch, Zartbitter, ...). Die Länge dieses Spiel hängt entscheidend von der Größe und der Merkfähigkeit der Gruppe ab. Eine Runde bevor das Spiel beendet wird, sollte die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter das Spielende ankündigen. Wer einen Begriff nicht weiß, muss leider aussetzen. Am Ende bekommt die Gruppe, die zum Schluss die meisten aktiven Spielerinnen und Spieler vorweisen kann, die gewürfelte Punktzahl in Schokolade ausbezahlt.

Der Eingangssatz lautet: "Ich trinke meinen Kakao und denke an ..."

Erinnerungsstütze zum Spiel: Die erste Person beginnt: "Ich trinke meinen Kakao und denke an ... Venedig". Die zweite Person wiederholt den gesamten Satz und fügt ein eigenes Wort hinzu: "Ich trinke meinen Kakao und denke an Venedig und den Papst." Die dritte Person wiederholt auch diesen Satz und fügt ebenfalls ihren eigenen Begriff hinzu: "Ich trinke meinen Kakao und denke an Venedig, den Papst und an Sahne." ...

Material: Nichts!

Schokolade gegen Kaffee

Mit der Aufklärung (17. und 18. Jahrhundert) betritt der Kaffee die Bühne und wird zum stärksten Konkurrenten der heißen Schokolade. Während der Kakao für Genuss, Prunk und Ausschweifung steht, wird der Kaffee zum Symbol der Nüchternheit, des Geistes, der Aufklärung. Im späten 17. Jahrhundert gibt es in London bereits mehr Kaffeehäuser als Schokoladenstuben.

Spiel

Dieses Spiel stellt auf besondere Form den Schokoladen-Kaffee-Streit nach. Mit Malerkrepp wird der Gruppenraum in der Mitte unterteilt. Bei besonders großen Räumen können auch zwei aneinander angrenzende Spielfelder "geklebt" werden. Wird das Spiel mit mehreren Gruppen gespielt, wird als Spielfeld ein Kreis "geklebt" und so oft unterteilt, dass entsprechend viele Felder entstehen (vgl. Speichen bei einem Rad).

Jede Gruppe bekommt die gleiche Anzahl an Zeitungen. Ziel ist es, innerhalb von zwei Minuten, so viele Zeitungspapierbälle wie möglich ins gegnerische Feld zu werfen. Nach dem Schlusspfiff wird gezählt. Das Team, das am wenigsten Zeitungspapierbälle im eigenen Spielfeld hat gewinnt.

Material: Malerkrepp, alte Tageszeitungen, Uhr, Trillerpfeife

Die Schokolade wird zur Tafel

In Guatemala gelang es Klosterköchen schon früh, Schokolade so zu behandeln, dass sie sich in Tafeln konservieren ließ. Aber erst im 19. Jahrhundert wurde ein Verfahren entwickelt, mit dem es möglich war, aus flüssigem Kakaobrei Essschokolade herzustellen. Die Schweizer waren besonders geschickt darin, Schokolade so zu verfeinern, dass sie diesen cremigen, zarten Schmelz bekam, den wir heute so sehr an ihr lieben.

Spiel

Nun endlich wird Schokolade genossen! Jede Gruppe bekommt ein Vesperbrett mit unterschiedlichen Schokoladensorten. Bei großen Teams sollten nicht nur einzelne Stückchen, sondern ein ganzer oder halber Riegel auf dem Brettchen liegen. Ziel ist, möglichst viele Geschmacksrichtungen und Sorten zu erkennen und aufzuschreiben. Zum Schluss werden die geschmeckten Ergebnisse mit der tatsächlichen Auswahlliste verglichen. Gewonnen hat die Gruppe mit den meisten richtigen Nennungen.

Wichtig ist, dass jede Gruppe, ihre Schokoladenproben selbst mit dem Messer in kleine Probierstücke für die übrigen Mitspieler schneiden kann. Sind die Probierstückchen zu klein, schmeckt man nichts mehr.

Variation:
Das Erschmecken der Proben ist leichter, wenn man weiß, welche Schokoladen im Spiel sind. Wer sich für diese Variante entscheidet, sollte jede Probe mit einer Nummer versehen. Die Gruppen bekommen dann eine kopierte Liste, auf der sie die einzelnen Proben dann lediglich zuordnen.

Material: unterschiedliche Sorten Schokolade, Pro Team: 1 Vesperbrettchen mit Messer, 1 Blatt Papier, 1 Stift

Heike Volz, Böblingen Joe Pfeifer, Pliezhausen

Aus: Der Steigbügel 1/2009 (331)

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